Nach einer angenehm ungestörten Nacht (ja, es geht auch mal ohne Regentrommeln), tuckere ich weiter nordwärts der Westküste entlang – Ziel: Kap Kolka. Doch bevor es ganz nach oben geht, schnell noch ein Abstecher zum Leuchtturm bei Oviši. Klingt romantisch, sieht auf den ersten Blick auch ganz klassisch aus… bis man merkt: Der gute Turm steht mitten im Wald, rund 500 Meter vom Meer entfernt. Man fragt sich unweigerlich: Hat sich das Meer zurückgezogen? Oder hat sich der Leuchtturm einfach verlaufen?

Wie dem auch sei – weiter geht’s zum sagenumwobenen Kap Kolka, dem nördlichsten Zipfel des Kurländchens. Und da ist noch ordentlich Luft nach oben in Sachen touristischer Ausschlachtung. Verglichen mit John O’Groats oder Land’s End wirkt Kap Kolka wie ein Pausenhof mit Seeluft. Ein Kiosk, ein Café – fertig ist die touristische Infrastruktur.



Links ist die Ostsee, rechts die Bucht von Riga. Und ist das Kunst oder kann das weg?

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Highlight: Die Parkgebühr! 3.50 € für eine Stunde – aber nur, wenn man brav per SMS bezahlt (was natürlich nur mit lokalen SIM-Karten zuverlässig klappt). Löst man das Ticket am Kiosk (analog, wie ein Boomer), kriegt man den ganzen Tag für denselben Preis. Und wenn man über Nacht bleiben will? Dann darf man nochmal 10 € in den Ring werfen und sich dafür mit anderen Campern auf einem asphaltierten Parkplatz eng an eng aneinanderkuscheln. Für alle mit sozialem Nähebedürfnis: ein Traum!

Ich hab’s mir lieber gutgehen lassen und noch mal 3.50 € draufgelegt – für den Campingplatz Mensils. Der liegt idyllisch direkt am Meer, nur durch ein paar Campingpods von der Brandung getrennt. Sollte es also heute Nacht stürmen, gibt’s morgen früh vielleicht Strandgut aus Holz – und eine freie Sicht auf die Wellen inklusive.



